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Eine geschichtlich-geographische Reise durch Podlasie
Die geographische Beschaffenheit der Region Podlasie ist das Ergebnis der beiden
letzten großen Eiszeiten. Der jüngste Vorstoß des skandinavischen Eises
erreichte Podlasie jedoch nicht. Aus dem Gebiet, das ehemals den Mazuren oder der
Mecklenburgischen Seenplatte ähnelte, ist infolge der so genannten periglazialen
Prozesse die heutige Landoberfläche entstanden. Es ist insgesamt eher flach, nur
ab und zu ragen kleinere Hügel aus der Landschaft. In den Senken herrschen Moore
vor, wilde Flüsse durchschneiden die Landschaft und machen sie zu einer Oase für
viele Tierarten, die man woanders nicht vorfinden kann. Für die Menschen war das
moorige Gebiet mit seinen ertragsschwachen leichten Böden lange nicht interessant.
Vor allem der nördliche Teil der historischen Region Podlasie, wo unser Projekt uns
hinführte, trat spät in die Geschichte ein.
Die heutige Wojewodschaft deckt sich mit dem historischen Podlasie nicht mal
zur Hälfte. Die Hauptstadt der Region war im frühen Mittelalter Drohiczyn.
Gelegen am Fluss Bug, spielte diese Stadt eine wichtige Rolle in der Grenzregion zwischen
Litauen, Polen und dem Kiewer Rus, bis sie endgültig im 13. Jahrhundert von Litauen
erobert wurde. Der nördliche Teil der heutigen Region Podlasie blieb praktisch bis
ins 14. Jahrhundert von den geschichtlichen Entwicklungen der Nachbarregionen verschont.
Es kreuzten sich hier die Einflüsse der polnischen Krone, des litauischen
Fürstentums und des Deutschen Ritterordens. Besiedelt war diese Ecke sehr dünn,
vor allem von West- und Ostslawen, aber auch von Splittergruppen der baltischen
Völker. Die heutige Hauptstadt der Wojewodschaft Podlasie, Bialystok, wird erstmals
in Urkunden aus dem 15. Jahrhundert als ein Dorf erwähnt. Auch zu anderen
Städtchen und Dörfer der Umgebung lassen sich erste Spuren in den Urkunden aus
dem 15. und 16. Jahrhundert finden. Seit dem 16. Jahrhundert siedelten hier zahlreiche
Juden; nach dem Sieg von Jan Sobieski bei Wien wurden hier auch Tartaren sesshaft.
Das 19. Jahrhundert brachte dann (im Zuge der Teilungen und Industrialisierung) auch
deutsche und russische Siedlergruppen. Damit war das bunte, multiethnische Mosaik
vervollständigt. Im 19. Jahrhundert erlebten einige Orte der Region, darunter
Bialystok oder Suprasl, einen kleinen Aufschwung der Textilindustrie. Sie waren jedoch
nicht imstande mit den Lodzer Fabriken zu konkurrieren. Abgesehen davon blieb das Land
von der industriellen Entwicklung und dem technischen Fortschritt relativ unberührt
und gehört heute zu den saubersten Regionen Polens. Ein Drittel der Wojewodschaft
steht unter Naturschutz. Die Nationalparks, darunter der Bialowieski Park Narodowy, der
schon 1932 gegründet wurde, gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO und bilden
einen Bestandteil des EU-Programms Natura 2000.
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