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Pawel (Berlin):
Obwohl ich selber aus Polen stamme und als überzeugter Tourist schon einiges über die Region Podlasie wusste, habe ich den Weg dahin erst in diesem Sommer gefunden. Podlasie als multiethnische Region habe ich vor allem aus der Lektüre der Zeitschriften gekannt, die sich mit dem Denkmalschutz beschäftigen. Und tatsächlich habe ich, zumindest was die Baudenkmäler und Raumplanung angeht, das vorgefunden, was ich erwartet habe. Eine gemauerte orthodoxe Wehrkirche - eine Seltenheit im polnischen Maßstab, jüdische Friedhöfe, Synagogen, großzügig angelegte Städtchen, wie zum Beispiel Tykocin, wo die Maßstäbe irgendwie nicht stimmen und darauf verweisen, dass hier früher mehr Leben und mehr Verkehr herrschten. Leider sind es vor allem, meiner Meinung nach, eben diese Baudenkmäler die von der Multiethnizität der Region zeugen. Denn die Einwohner werden immer homogener. Die jüdischen Bewohner dieses Landesteiles sind seit dem Krieg nicht mehr da, die Tartaren emigrieren in die Städte und nur noch die Weißrussen zeigen ihre Präsenz. Aber ich hatte den Eindruck, als ob sie auch weniger geworden wären. Trotzdem bleibt diese Region immer noch kulturell und ethnisch sehr interessant im Vergleich zu anderen polnischen Gebieten.
Es waren aber nicht nur Gebäuden und materielle Spuren der Minderheiten, die mein Interesse geweckt haben. Den größten Eindruck haben die Gespräche mit den Einheimischen hinterlassen. Erzählungen aus der Kriegszeit und aus den Jahren davor kannte ich schon von meinen Großeltern. Aber die zahlreichen Interviews, die wir gemacht haben, waren um einiges beeindruckender. Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass man all diese Erzählungen dokumentieren müsste. Denn in einigen Jahren werden die letzten Augenzeugen nicht mehr unter uns sein und eine Fülle an Geschichtsmaterial wird verloren gehen. Es wäre Schade, wenn es dazu kommen würde. Die Geschichten der Augenzeugen haben nämlich zwei Gesichter der Podlasie und des gemeinsamen Lebens verschiedener Kulturen gezeigt. Zum einen ist das die Integration und friedliche Koexistenz der Bevölkerung. Zum anderen hatte ich aber den Eindruck, dass es auch oft nur Nebeneinander gegeben hat, ohne das man die anderen besonders verstand oder sich für die anderen interessierte. Vielleicht könnte man daraus etwas für die Zukunft lernen? Vielleicht könnte man die Erfahrungen aus früheren Zeiten für die jetzige Diskussion um die Integration und Assimilation der Ausländer nutzen? So wäre auch der Gegenwartsbezug des Geschichtsstudiums hergestellt.
Auf jeden Fall ist Podlasie der Reise wert.
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