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Workcamp - Deutsche, polnische und litauische Freiwillige renovieren den jüdischen Friedhof in Michałowo

        

         An unserem Workcamp in der Zeit vom 18. August bis zum 2. September 2007 haben insgesamt 15 Freiwillige aus drei Ländern teilgenommen. Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit bei der Rekrutierung der Teilnehmer bei dem Verein Jugend bewegt Europa aus Deutschland und dem Verein AC Patria aus Litauen.

         Im Bezug auf die Arbeit auf dem 2,5 km vom Dorf Michalowo weit entfernten jüdischen Friedhof konnten fast alle von uns geplanten Tätigkeiten durchgeführt werden. Dazu zählten Säuberung und Konservierung der Grabsteine und der Gräber, Beseitigung des gesamten Bewuchses inklusive größerer Bäume, Erstellung des Friedhofsplanes und das Aufschreiben aller Grabinschriften. Die Aufstellung der Informationstafeln, die während des Projektes erfolgen soll, hat sich verzögert und wird im Januar 2008 von den Freiwilligen aus Bialystok übernommen. Ebenso werden die Dokumentationsfotos noch mal in einer besseren Qualität von ihnen aufgenommen. Die Inschriften werden zur Zeit an der Heidelberger Universität übersetzt und werden später in der örtlichen Bibliothek und auf zutreffenden Internetseiten zur Verfügung gestellt.

         In unserem Projekt spielten jedoch neben der praktischen Arbeit auf dem Friedhof, deren denkmaltechnische Inhalte Teilnehmer während eines Workshops erlernen konnten, die multikulturellen Aspekte eine entscheidende Rolle. Dabei wurde der besondere Schwerpunkt auf die jüdische Kultur gelegt, die bis zum Zweiten Weltkrieg ein wesentlicher Bestandteil der Kultur der Region darstellte.

         Die Multikulturalität und Multiethnizität der Region und die jüdischen Spuren, die bis heute sichtbar geblieben sind, konnten die Teilnehmer während zweier Exkursionen und zweier Workshops selber erleben und entdecken. Eine Ganztagsexkursion führte uns unter anderem nach Tykocin, Suprasl und Kruszyniany. In Tykocin besuchten wir, abgesehen von den allgegenwärtigen Sehenswürdigkeiten, eine Synagoge und einen jüdischen Friedhof, wo wir die Symbolik der Gräber auganschaulich studieren konnten. In Suprasl wurde sowohl der alte Stadtkern besucht, der noch Denkmäler der deutschen Minderheit beinhaltet als auch die orthodoxe Kirche und Kloster. In Kruszyniany war eine Moschee und ein muslimischer Friedhof unser Ziel. Während der Exkursion in Bialystok lag der Schwerpunkt ausschließlich auf der Entdeckung der jüdischen Spuren der Stadt, worin uns ein erfahrener junger Dozent aus der Bialystoker Universität geholfen hat. Eine besondere Anerkennung aller Teilnehmer des Workcampes fand der Workshop über die jüdische Kultur und Religion durchgeführt von Natalia Baginska. Eine aufschlussreiche Erfahrung war die Sitzung zum Thema Antisemitismus und jüdisch-polnische Beziehungen.

         Unser Projekt war sehr medienwirksam. Über die Arbeiten auf dem Friedhof und die multinationale Zusammensetzung der Teilnehmer wurde in den lokalen Nachrichten berichtet. Es wurde auch eine 15-minuige Reportage vom regionalen Fernsehen und eine kurze Reportage vom Radio Bialystok aufgenommen. Über das Projekt und den Freiwilligendienst für das europäische Kulturerbe erschien Anfang Februar ein Artikel in einer Fachzeitschrift "Spotkania z Zabytkami". In der lokalen Zeitung aus Michalowo erschienen ebenfalls zwei Artikel. Über unsere Tätigkeiten waren alle Behörden in dem Ort informiert und einige von ihnen u.a. Feuerwehr und Zaklad Komunalny beteiligten sich durch praktische Unterstützung an dem Projekt. Die lokale Bevölkerung war darüber hinaus auch über persönliche Gespräche und gezielte Einladungen zu einigen Veranstaltungen über unser Vorhaben aufgeklärt.

         Das Projekt findet zur Zeit seine Fortsetzung. Die polnischen Freiwilligen aus Bialystok und das Kulturhaus aus Michalowo bereiten eine Fotoausstellung vor. Während der Arbeiten auf dem Friedhof stellten wir fest, dass einige Grabsteine noch originelle Farben aufweisen, die konserviert werden müssten. Ein Versuch, dies während des Projektes zu machen, ist u.a daran gescheitert, dass in dem Denkmalschutzamt keine kompetente Person sich befand, die uns beraten bzw. in jeglicher Hinsicht helfen könnte. Die Studenten aus Bialystok planen diese notwendigen Arbeiten im nächsten Sommer im Rahmen eines universitären Projektes durchzuführen.

         Der Verein ANAWOJ plant auf Grund sehr guter Erfahrungen, die bei dem abgeschlossenen Projekt gemacht werden konnten, weitere Vorhanden im Bereich des Denkmalschutzes und des Freiwilligendienstes für das europäische Kulturerbe. Eine Vielzahl von verwahrlosten Objekten wartet in der Region auf ähnliche Aktionen.

Kontakt:
Pawel Kosicki
hrabia@gmx.de

Pawel Kosicki - Stowarzyszenie ANAWOJ
Magda Kurpiewska - Stowarzyszenie ANAWOJ



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